Press

28. 10. 2017

Ostthüringer Zeitung (Christiane Weber)

„Schtschedrins Klavierkonzert verlangt dem Interpreten alles ab“

Die Wiener Pianistin Anika Vavic ist Sonntag mit einer deutschen Erstaufführung im Sinfoniekonzert der Staatskapelle zu erleben

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Anika Vavic ist Solistin im Sinfoniekonzert der Staatskapelle Weimar und interpretiert den Solopart. Foto: Christine de Grancy
Anika Vavic ist Solistin im Sinfoniekonzert der Staatskapelle Weimar und interpretiert den Solopart. Foto: Christine de Grancy

Im 3. Sinfoniekonzert der Staatskapelle Weimar stellt Chefdirigent Kirill Karabits am Sonntag, 29., und Montag, 30. Oktober, in der Weimarhalle einen Komponisten vor, dessen Name sich in Deutschland viel zu selten auf den Konzertprogrammen findet: Rodion Schtschedrin. In einer deutschen Erstaufführung erklingt sein 4. Klavierkonzert. Den Solopart interpretiert die aus Belgrad stammende Wiener Pianistin Anika Vavic. Im zweiten Teil folgt Ravels Ballettmusik „Daphnis et Chloé". Wir sprachen mit der Solistin Anika Vavic.

Das 4. Klavierkonzert von Rodion Schtschedrin verlangt vom Solisten stilistische Vielfalt. Inwiefern?

Es ist ein Auftragswerk von Steinway New York. Ich denke, dass der Komponist deshalb eine Ode an das Instrument komponiert hat und versucht hat, die Klangwelten des Instruments und auch die Geschichte der Klavierliteratur in diesem packenden Werk ineinander verschmelzen zu lassen. Der Solist/die Solistin muss sich blind im Chopin-Kreis bewegen können, gleichzeitig Strawinsky herausholen, Prokofjew zitieren, die pastorale Kulisse erschaffen, unterkühlte Landschaften hervorzaubern, „frei erzählen" wie bei Schumann, Kammermusik machen und doch die authentische, ehrliche, vielfältige Sprache von Schtschedrin im Vordergrund behalten. Je öfter ich das Werk spiele, desto spannender wird es für mich. Wie viel Spielraum lässt er dem Solisten bei der Interpretation? Das wunderbare ist, dass man sich absolut frei fühlt, wenn man dieses Werk gestalten will - Schtschedrin ist ein Komponist, der es immer noch schafft, emotionale Musik zu komponieren. Man fühlt sich nicht viel anders als bei Beethoven, Prokofjew oder Ravel - und kann atmen, Stimmungen ändern, Spaß haben. Wobei ich gestehen muss, dass das Werk pianistisch und musikalisch gleichzeitig dem Interpreten alles abverlangt. Aber: man bekommt sehr viel davon zurück - und das ist für mich ein Merkmal wirklich guter Musik. Wie gelingt es Ihnen, sich immer wieder neu auf fremde Orchester einzustellen? Ich versuche hinzuhören, jedes Orchester entwickelt sich im Rahmen der Proben und bis zum Konzert zu einem eigenen Organismus. Dieses sich „auf neue Orchester einstellen" ist wie „Menschen-lesen", und sich auf diverse Charaktere einlassen, sich hineinversetzen. Natürlich spielt es eine große Rolle, wer am Pult steht und dafür sorgt, dass die „Zutaten", also Solist/Orchester zu einer gelungenen Speise verarbeitet werden, an die sich dann das Publikum gerne wagt und sie genießt. Was verbinden Sie mit Weimar? Ich kenne Weimar noch nicht, aber wenn ich an Weimar denke, sind der Kapellmeister Franz Liszt und mein verstorbener Lehrer Lazar Berman, der in Weimar unterrichtet hat, sicherlich die wichtigsten Punkte, die ich mit der Stadt verbinde. Mit diesen zwei Pianisten-Vulkanen im Hinterkopf freue ich mich umso mehr darauf, die deutsche Erstaufführung des vierten Klavierkonzerts von Schtschedrin zusammen mit Kirill Karabits und der Staatskapelle Weimar hier zu spielen.

Wie viel Zeit bleibt Ihnen, um sich in den jeweiligen Gastspielorten umzusehen?

Manchmal ergibt sich aufgrund der Probezeiten eine Lücke, und ich kann die Orte erkunden, manchmal nehme ich mir bewusst Zeit dafür - die schöne Seite des Berufs ist sicherlich diese Möglichkeit, spannende Persönlichkeiten und Städte kennenzulernen.

Wie bringen Sie Familie und die beruflichen Anforderungen unter einen Hut?

Meine Tochter wird in ein paar Monaten vier - und ist der Grund, dass ich die Reisen so knapp wie möglich kalkuliere. Als sie knappe sechs Wochen alt war, war sie bei der ersten Tournee dabei, als ich zu den Münchner Philharmonikern wieder eingeladen war. Die Zeiten, wo ich sie mit dabei haben konnte sind vorbei, denn aus einem Baby ist ein resolutes Persönchen geworden, das selber auf der Bühne sein will, und mir droht, bei meinem Auftritt hinaufzukommen, um mitzuspielen.

Wie erleben Sie als Solistin auf das Bühne das Publikum? Die Antennen sind alle auf Empfang, wenn man auf der Bühne ist und es ist immer wieder eine neue Reise, die man mit einem unbekannten Publikum antritt - man will es mitnehmen, ihm etwas geben und hat gelernt, nach jahrelanger Erfahrung die „Empfangsbestätigung" aus dem Publikum mit Intuition heraus zu deuten. Und wenn man spürt, dass das, was man zu geben versucht hat, auch angekommen ist, war es ein gelungener Abend.

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